Der Name „Plankenstraße“ deutet nicht gerade auf Reichtum in alten Zeiten hin. Die Hauseigentümer hatten noch heute erkennbare Hinterhöfe, wo das Vieh und anderes aus dem Bereich der Landwirtschaft untergebracht war, damals mit Planken zur Straßenseite abgegrenzt. Diese von der Landwirtschaft im Haupt- oder auch Nebenerwerb genutzte Straße war sehr eng und war mehr Weg als das, was wir heute unter Straße verstehen. Zu einer Befestigung des Weges kam es erst recht spät.
Plankenstraße heute

Wenn wir heute durch die Plankenstraße schlendern, sind wie bereits erwähnt räumlich noch die Hinterhof-Areale zu erkennen. An einem Beispiel möchte ich den unaufhaltsamen Wandel in die Moderne verdeutlichen, der sich natürlich schrittweise mit zunehmender Technisierung über Jahrhunderte vollzog. Neben dem hinteren Bereich von Stallbaums Gasthaus befindet sich ein niedriges Gebäude, welches von einem Fachwerkhaus an der Plankenstraße zu erreichen ist und das bis in die 70er Jahre eine Produktionsstätte beeinhaltete, die es so im gesamten Landkreis kein zweites Mal gab. Dort gab es langgestreckte Maschinen aus einer Fabrik in Lengerich/Westfalen, mit der auf langen Bahnen Zellglas-Beutel hergestellt wurden, die zum Teil auch unter werblichen Aspekten bedruckt wurden (zeitweilig für Bahlsen-Salzstangen). Zellglas ist allgemein in der Bevölkerung besser bekannt unter dem geschützen Namen „Cellophan“, einer Verpackungsart, die unter Ernährungsgesichtspunkten gut mit essbaren Produkten harmoniert und wegen der Durchsichtigkeit auch ein hervorragender Werbeträger ist.

rechts: Betriebsstätte

Zur Herstellung waren stets leicht brennbare Substanzen im Einsatz und in jeder Ecke der kleinen Fabrik standen vorsorglich Feuerlöscher herum. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass sich diese Produktionsstätte im Zentrum der Stadt mit ihrer dichten Bebauung befand, bezweifle ich, dass heutzutage dafür eine Betriebserlaubnis ausgestellt würde. Aber es ist ja alles gutgegangen! (Kleinere Brände konnten rasch gelöscht werden.)

Der Firmeninhaber Georg Henke ist relativ jung im 52. Lebensjahr verstorben und damit war das Ende des Unternehmens besiegelt, zumal der Sohn und auch die nachwachsende Tochter noch nicht alt genug waren, um in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Und seiner kaufmännisch orientierten Frau Marion mangelte es am technischen Verständnis. Dem Betrieb war es aber auch nicht gelungen, für Krisenzeiten entsprechende Rücklagen zu bilden, um sich über die schwierige Zeit zu retten.

Hinterhof

Im vorderen Teil des Hauses an der Rathausstraße führte die ältere Schwester Elisabeth eine Buchhandlung mit angeschlossener Bürobedarfs-Abteilung. Auch dieser Bereich überlebte mangels Nachfolger nicht, und damit wurde Raum geschaffen für andere Branchen. Am alten Platz der Zellglas-Produktion war jahrelang ein Fahrrad-Händler zu finden. Nun ist dies alles Privatgelände und eine der kleinen Geschichten, die schon fast in Vergessenheit geraten sind.

G-maps-Koordinaten: 53.363881, 10.208089

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