Der Mann mit dem Sparbuch und Gebrüder Grimm: Die Goldene Gans

Wer hat eine gewisse Entspannung und Entschleunigung nach Winsen gebracht ? Richtig, der Mann auf der Bank an der Sparkasse Harburg-Buxtehude, der sich dort seit 1989 sonnt mit einem Sparbuch in der Hand, wo man beim Anblick des Guthabens sehr neidisch werden könnte. Die Bulldogge an seiner Seite schützt den Alten vor dem Zugriff begieriger Hände, obwohl der Dogge wohl mehr danach wäre, die Katze, die sich weiter links duckt, auf den Baum zu jagen.

Ranslet: Der Mann mit dem Sparbuch

Die Bronze-Skulptur wurde geschaffen von einem dänischen Künstler namens Arne Ranslet, geboren am 15.8.1931, gestorben am 24.4.2018. Als Ranslet aus dem Winsener Rathaus den zweiten Auftrag für eine Skulpturen-Gruppe bekommen hat, muss ihm in Anlehnung an die Skulptur vor der Sparkasse die Idee gekommen sein, das Materielle der Stadt Winsen in den Vordergrund zu rücken, und zwar mit der Verkörperung des Grimmschen Märchens DIE GOLDENE GANS, einer lustigen Skulpturen-Gruppe auf dem Schlossplatz. Da wird die Sehnsucht nach dem schnellen Reichtum symbolisiert, gepaart mit den damit bestehenden Tücken. Dass viele Menschen an ihren Gütern kleben (obwohl letztlich alles nur geliehen ist) ist keine neue Erkenntnis. Märchen sind ja niemals wahr, aber sehr oft eine Anspielung auf die Realität.

Konzentrieren wir uns also mal auf den Kern des Märchens, damit man die Figurengruppe besser versteht:

Fette goldene Gans

„Der Dummling ging hin und hieb den Baum um, und wie er fiel, saß in den Wurzeln eine Gans, die hatte Federn von reinem Gold. Er hob sie heraus, nahm sie mit sich und ging in ein Wirtshaus, da wollte er übernachten. Der Wirt hatte aber drei Töchter, die sahen die Gans, waren neugierig, was das für ein wunderlicher Vogel wäre, und hätten gar gern eine von seinen goldenen Federn gehabt. Die älteste dachte: Es wird sich schon eine Gelegenheit finden, wo ich mir eine Feder ausziehen kann. Und als der Dummling einmal hinaus gegangen war, faßte sie die Gans beim Flügel aber Finger und Hand blieben ihr daran fest hängen. Bald hernach kam die zweite und hatte keinen andern Gedanken, als sich eine goldene Feder zu holen, kaum aber hatte sie ihre Schwester angerührt, so blieb sie fest hängen. Endlich kam auch die dritte in der gleichen Absicht. Da schrien die andern: „Bleib weg, um Himmels Willen bleib weg!“ Aber sie begriff nicht, warum sie wegbleiben sollte, dachte: Sind die dabei so kann ich auch dabeisein und sprang hinzu, und wie sie ihre Schwester angerührt hatte, so blieb sie an ihr hängen. So mußten sie die Nacht bei der Gans zubringen.“ (Und so weiter, und so weiter …..)

Von der Feier zur Enthüllung der Skulpturen-Gruppe wurde in dänischen Medien seinerzeit ganzseitig berichtet, inklusive Portrait unserer Stadt. Arne Ranslet war Bornholmer und hatte im westlichen Bereich der Insel einen alten Bauernhof gekauft, wo in seinem Innenhof zahlreiche Skulpturen zu besichtigen waren. Der Autor war mehrfach dort.

Bauernhof von Arne Ranslet

Der Bornholmer Künstler

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