Hat Winsen im Entferntesten etwas mit Melitta-Kaffeefilter zu tun ? Natürlich, jeder hatte die Filtertüten schon mal in Gebrauch. Aber meine Frage zielt weiter und ich komme auf dieses Thema gleich zurück. Zunächst soll auf die Firma Bausch eingegangen werden, bevor wir uns dem Thema Eppen nähern.

Fährt man durch das Winsener Gewerbegebiet am Tönnhäuser Weg, kann man dort einen Firmennamen entdecken, wo man denken könnte, dass der Name Programm sei: „Bausch Convert GmbH & Co. KG“, eine Firma, die sich auf die besondere Papierverarbeitung spezialisiert hat. Um auf die Ursprünge des Unternehmens zurückzugehen, müssen wir die Luhestadt verlassen und den Elblauf bis Dömitz folgen, dort, wo einst der plattdeutsche Dichter Fritz Reuter in Festungshaft saß und sein Buch „“Ut mine Festungstid„schrieb. In Dömitz mündet die Elde in die Elbe. Einige Kilometer nördlich liegt der kleine Ort Neu-Kaliß, wo sich westlich des kleinen Nebenflusses der Elbe eine Papierfabrik mit dem Namen „Neu Kaliß Spezialpapier GmbH“ befindet, die zum Melitta-Konzern gehört und früher Schoeller & Bausch hieß. Mitbegründer der Firma war Viktor Bausch, geboren am 26.8.1898 in Neu-Kaliß. Diese Fabrik ist hervorgegangen aus einer älteren unmittelbar an der Neuen Elde, die heute noch als Industrie-Denkmal betrachtet werden kann. Mitbegründer dieses Werkes war ein Theodor Bausch, der 1871 in den kleinen Ort kam. Schon seit dem Jahre 1799 befand sich an dem Platz eine alte Papiermühle. Das Prinzip der Papierherstellung in Mitteleuropa beruhte seit dem Hochmittelalter darauf, dass der Papiermacher mit Sieben dünne Schichten aus dünnflüssigem Papierbrei herauszog und diese anschließend gepresst, geleimt und getrocknet wurden. Im Herstellungsprozess fiel sehr viel Schmutzwasser an, das in diesem Falle in die Elde geleitet wurde. Für den Fluss war das ökologisch nicht gut, und für die Arbeiter in der Papierherstellung schon gar nicht! Begleitet wurde die Abwasserentsorgung von einem üblen Geruch, der so typisch war für damalige Papierfabriken. – Der Krieg und die nachfolgende Sowjetische Besatzungsmacht führten dazu, dass die Familie Bausch den Ort verließen und in den Westen gingen.

In Winsen befand sich auch schon seit 1812 sehr früh eine Papierfabrik, gegründet von Franz Heinrich Giesemann und weitergeführt vom Sohn Adolf, der den Betrieb nicht über die Zeit retten konnte. Er ging in Konkurs. Bei Giesemann verlebte der junge Johannes Brahms wiederholt seine Sommerferien. Die Fabrik muss sich in Nähe der Luhe im Bezirk von Eppens Allee befunden haben. Die offizielle Adresse lautete Deichstraße.

Die Konkursmasse ging im Jahre 1852 an Johann Heinrich Eppen, der aus Stade stammte und dann 1858 den neuen Betrieb aus Expansionsgründen und wohl auch wegen der sich anbahnenden guten Gleisanbindung an der Luhdorfer Straße errichtete. (Auch dort war die Luhe als Abnehmer des Schmutzwassers in günstiger Lage.) Vorwiegend wurden russische und finnische Hölzer verarbeitet. Eppen beschäftigte zeitweilig mehr als 200 Arbeitnehmer, was für das damals sehr kleine Winsen von großer Bedeutung war. Wie auch schon in der Familie Bausch brachte der 2. Weltkrieg mit all seinen Schrecken und Verlusten großes Elend über den Firmengründer mit seiner Familie. Alle seine Söhne blieben im Krieg. Schlimmer geht es kaum! Nach dem Krieg wurde die Konkurrenz für Eppen immer stärker. Das Resultat ist bekannt. Am 30. November 1965 schaltete der Pförtner das Licht aus und in der Folgezeit wurde Platz geschaffen für zahlreiche Neubauten im Bezirk des Europaring. Die Sanierung des Untergrundes dieses Gebietes war jahrelang mit einem Geruch verbunden, der einem den Atmen stocken ließ. Nun gehört das der Vergangenheit an.

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