Ursprung: Bürgerhaus von Fuhrleuten und Ausspann-Station des 17. Jahrhunderts

Wer im Weißen Ross einkehrt, wird unter Umständen die blaue Informationstafel an der Hauswand entdecken. Dort sind interessante Details zu lesen. Auf alten Bildern erkennt man im rechten Teil des Gebäudes ein großes Tor, wo die Gespanne hindurch fahren konnten, um im Hof auszuspannen (siehe Aquarell).

Hinterhof/Weißes Ross

Winsen hatte früher mal einen kleinen Luhehafen mit schiffbarem Zugang zur Elbe. Die bedeutendste Alternative und auch Notwendigkeit für die Schiffahrt waren Fuhrwerks-Routen, die besonders zur Hansezeit eine große Bedeutung erlangten.Wenn man sich mal einen alten Volksschul-Atlas von Lange & Dierke anschaut (und falls nicht mehr vorhanden: Google-maps) erkennt man, dass die meisten großen und auch kleineren Städte an Wasserwegen liegen, an Flüssen und auch am Meeresufer. Dazu gehören Hamburg genauso wie auch Bremen, Dresden, Frankfurt, Köln, Paris, Rom, Prag, Moskau und Leningrad, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch Winsen liegt bekanntlich an einem Fluss und war einst ein wichtiger Umschlagplatz für Holz und Getreide (Quelle: Andree Werder). Auch ein Salzlager existierte an der Luhe gegenüber dem heutigen Balkan-Restaurant. Diese Transportwege hatten den großen Vorteil, dass große Warenvolumen relativ kostengünstig an den Empfangsort gebracht werden konnten. Es gab aber auch einen Nachteil, nämlich die geringe Transportgeschwindigkeit.

TRANSPORTWEGE

Die Transportwege, die gleichermaßen für Waren- und auch Personentransporte wichtig waren, auch so ihre Tücken. Man darf sich solche Routen – Straßen nach unserem Verständnis gab es ja kaum – nicht als befestigte Pisten mit einer festgelegten Breite vorstellen. Die alten Fuhrwerks- und Poststraßen waren manchmal 100 m breit, und immer wieder wurden auch neue, leichter befahrbare Ausweichstrecken ausprobiert. Im Klosterforst Lüne östlich von Einemhof gibt es an dem Weg nach Mechtersen, wo mir beim Pilzesammeln im Herbst ein Waldbereich aufgefallen ist, wo die Bodenwellen – gut 50 m breit – noch die Spuren der alten Poststraße nach Bahlburg erkennen lassen. Und sicher waren diese Wege auch nicht. Man kennt ja noch heute den Begriff der Strauchdiebe, der an frühere Umverteilungsmethoden erinnert. Und wer als gereifter Tourist damals unterwegs war, dem wurde bei dem Gehopse in der Kutsche wohl oft die Kau-Prothese locker. Natürlich gab es damals auch schon befestigte Straßen, aber sie waren eher die Ausnahme und nicht mit dem zu vergleichen, was wir heutzutage als Straße bezeichnen.

Wer damals mit der Kutsche durch die Lüneburger Heide reiste, war nach Ankunft am Ziel nicht motiviert, Positives über diese norddeutsche Mini-Sahara zu berichten. Erst die Genre-Malerei über unsere nähere Heimat brachte die Heide wieder ins Interesse der Urlauber, die dann auch oft mit den Postkutschen reisten. (Das Wort „Reise“ ist abgeleitet von „reisa“ für Aufbruch/Fahrt, und risan war die Bezeichnung für den Aufbruch in einen militärischen Feldzug. Auf alten Segelschiffen wurden die Matrosen mit dem Ruf „Reise-Reise“ geweckt.) Sowohl Postkutschen-Fahrten als auch der Postillon (oft als Schwager bezeichnet) wurden bis in unsere Zeit romantisch verklärt und hatte mit der Realität nicht viel zu tun.

Mit der schrittweisen Fertigstellung und Eröffnung der Eisenbahnlinie Hannover-Lehrte-Celle-Lüneburg-Winsen und Harburg in der Zeit von 1845 bis 1847 änderte sich alles bezüglich der Waren- und Personentransporte. Fuhrleute, Rademacher, Schiffer, Schmiede und Gastwirte sahen sich in ihrer Existenz bedroht. Aber der technische Fortschritt ließ sich nicht aufhalten. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Winsen wurde im Jahr 1848 fertig gestellt. Nach und nach gewann auch der Transport mit LKWs an Bedeutung. Wenn wir heutzutage auf den Autobahnen unterwegs sind, spüren wir auch dort ganz aktuell den fortschreitenden Wandel der Zeit.

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