Ein besonderes Stadtquartier in der Altstadt

Namensgeber dieses Stadtquartiers war nicht die Hasel mit ihren schwarz-braunen Nüssen (wie es einst in einem Gassenhauer hieß), das wäre eine falsch gelegte Fährte. Mit dem Straßennamen wird ein Amtmann gewürdigt, der nicht unbedeutend war. Winsens Chronisten wissen, dass das eine etwas längere Geschichte ist. Der Bezirk des Haselhorsthof war einst ein fürstliches Vorwerk (also dem Schloss vorgelagert), das schon ca. 100 Jahre vor der späteren Bedeutung erwähnt wurde. Es kam die Zeit der Reformation. Ernst der Bekenner (siehe auch Ausstellung im Schloßturm) fand einen engagierten Mithelfer bei der Durchsetzung der neuen Glaubensrichtung: Johann Haselhorst, der seit 1529 Hauptmann auf dem Winsener Schloss war und zeitgleich auch Verwalter des Klosters Lüne. Im Areal des heutigen Haselhorsthof hatte der Amtmann einen Adelshof. Erst nach einem heftigen Brand in Winsen im Jahre 1585 nahm das so langsam Gestalt an, was wir heute als Haselhorsthof kennen und was sich über die Jahrhunderte weiter entwickelt hat.

Wenn ich sehr weit zurückblicke, fällt mir ein, dass im Haselhorsthof (ich beziehe hier generell einen kleinen Teil der Schmiedestraße mit ein) am Sonntag Morgen häufiger mal Blaskapellen für Stimmung gesorgt haben. Auch der Schützenverein ließ es sich bei seinen Umzügen und Proklamationen nicht nehmen, sich hin und wieder im Haselhorsthof einzufinden, natürlich bei „Lütt un Lütt“, wie man es aus Büttenwarder kennt.

Sehr lange Zeit war der Haselhorsthof durchmischt von Wohnquartieren und kleinen Unternehmen, wie Massa oder Bäcker/Höker Klein und anderen. Auch das Artesan-Gebäude (Altersheim) mit seiner neuen Fassade, die an alte Zeiten erinnert, gehörte dazu.

Über die Grenzen von Winsen hinaus wurde der Haselhorsthof bekannt als die Geburtsstätte von Johann Peter Eckermann, was sich später als Irrtum herausstellte. Dort verlebte er Kindheitsjahre, geboren wurde er gleich um die Ecke in der Marktstraße, genauer: an der Stelle, wo heute das Haus von Waffen-Wenck steht.

Das Haus des ehemaligen Bäckers war früher einmal Drehort eines Films namens „Das fröhliche Dorf“, wo es um einen Großbrand ging.

Ein Blick in die Geschichtsbücher verrät Einzelheiten über den Haselhorsthof:

Herzog Ernst ‚dem Bekenner‘ von Braunschweig-Lüneburg führte auf Druck der Stadtbevölkerung 1526 die Reformation ein. Die Mönche mussten das Kloster im Juli 1528 verlassen und sich ins Lüneburger Kloster begeben, von wo sie aber im Zuge der Reformation in Lüneburg 1530 auch wieder vertrieben wurden. Im gleichen Jahr vernichtete ein Großbrand alle Gebäude bis auf das Schloss, die Kirche und das Kloster. 1585 zerstörte erneut ein Brand zwei Drittel der Stadt. Nach dem Stadtbrand von 1585 wurde der Adelshof der lüneburgischen Adelsfamilie Haselhorst, ein adeliges weltliches Lehen der welfischen Herzöge, aufgesiedelt und mit Bürgerhäusern bebaut. Johann Haselhorst war ab 1529 Verwalter des Klosters Lüne und seit 1532 auch Amtshauptmann von Winsen und fürstlicher Rat und Vertrauter Ernst des Bekenners. Der Haselhorsthof war ursprünglich ein fürstliches Vorwerk, das schon 1438 erwähnt wird und befand sich von 1543 bis zu seinem Tode 1549 in dem Besitz von Johann Haselhorst. Die Reste dieses Adelshofes, später „Brauhof“ genannt, wurden 1972 abgerissen.

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