Wenn man von Nettelberg aus Richtung Hunden unterwegs ist, sieht man im Auto von Tönnhausen nicht viel. Aber es lohnt sich durchaus, zwischendurch mal auszusteigen. Wenn für den kommenden Sommer wieder zum Fest „Tönnhafen“ eingeladen werden sollte, bedarf das sicher keiner besonderen Aufforderung. Es ist zumindest ein kleiner Ersatz dafür, dass in dem Ort keine Gasthäuser mehr ihre Türen geöffnet halten.

Wer hier nicht auf dem Acker für seinen Lebensunterhalt sorgt oder anderweitig berufstätig ist, hat die Chance, sich hier gut in der Natur zu entspannen. Und rundherum animieren wunderbare Fahrradwege, um in die Pedalen zu steigen („Bauern-Schnellwege“). Außerdem findet man im Ort auch stille, verkehrsberuhigte Straßen, wo man prima ohne Motorenlärm bummeln kann. Zahlreiche Bracks sind rechts und links der Wege zu entdecken. Und dann entdeckt man eine Informationstafel, wo zu lesen ist, dass zwischen Ilau und dem Dorf einst die alte Ilmenau floss, die so langsam dabei ist, zu verlanden. Etwas weiter Richtung Ilau fließt ein kleiner Bach namens Söge, den kaum jemand kennt. In diesem unwegsamen Gelände ist noch die Natur zu Hause, wie auf einer weiteren Tafel zu lesen ist.

Im Jahre 1412 wurde Tönnhausen erstmals urkundlich erwähnt. Wegen ständiger Hochwassergefahr durch die Ilmenau und auch der Elbe bauten die ersten Siedler ihre Häuser auf Warften, was in unserer Region durchaus üblich war. Einige alte Häuser aus späteren Jahrhunderten geben dem Ort immer noch den Charme, den viele Stadtbewohner lieben. Pferde und Kühe, und natürlich die Störche in den hellen Jahreszeiten, beleben noch immer das Bild auf den grünen Wiesen. Früher wurden hier auch seltene Hühner-Rassen gezüchtet, nämlich die Ramelsloher- und Winsener Masthühner. Letzere sind nach meiner Information bereits ausgestorben. Ramelsloher gibt es noch am blauen Haus im Freilichtmuseum Kiekeberg zu sehen.

Tönnhausen erhielt 1912 einen kleinen Bahnhof, der im Zuge der neuen Kleinbahn-Linie Winsen-Niedermarschacht die Mobilität der Einwohner förderte. Über diese Geschichte ist nach Aufkommen des PKW-Verkehrs schon lange Gras gewachsen. Die Gleise sind allerdings für gelegentliche Bahntransporte noch vorhanden, und sogar das Stationsschild hat noch nicht total die Farbe verloren.


Am 1. Juli 1972 wurde Tönnhausen in die Kreisstadt Winsen (Luhe) eingemeindet.

Hat Dir der Artikel gefallen?

1 / 0