Günther Hagen Archivbild 1999

In Winsen gab es bereits seit Beginn des 18. Jahrhunderts eine sehr angesehene jüdische Gemeinde. Erinnert sei an die Kaufmannsfamilie Salomon, die einen Manufakturwarenhandel für den täglichen Bedarf betrieb. In der Zeit von 1820 bis 1860 gab es für die jüdischen Kinder eine separate Schule mit entsprechendem Eigenleben. Ein weiteres Unternehmen hatte in Winsen großes Ansehen: das Textilhaus Stern gegenüber von Ahlers Tivoli. Was die Nazis dann angerichtet haben ist hinreichend bekannt. Allein die Jüdin Sara Horwitz überlebte den Holocaust und kehrte nach Kriegsende in ihre Heimatstadt zurück, wo sie 1956 starb. Die im Bürgersteig eingefügten Stolpersteine erinnern an das schwarze Kapitel deutscher Geschichte.

Günther Hagen Archivbild 1999

Ergänzender Text von Andree Werder:

Die Tochter des Viehhändlers Gustav Horwitz, Selma Weinberg, erbte nach dem Tod ihres Vaters 1932 diverse Grundstücke, darunter die Weide, auf der heute die Johann-Peter-Eckermann-Realschule steht. Obwohl es einen Kaufinteressenten mit höherem Gebot gab, musste sie die Grundstücke 1935 an die Stadt Winsen verkaufen. Selma und ihr Mann starben später im Konzentrationslager. Ihre Erben forderten nach dem Krieg Entschädigung. Sara Horwitz, Selma Weinbergs Stiefmutter, war die einzige Winsener Holocaust-Überlebende. Sie bekam eine monatliche Rente von 140 DM, eine Pflegezulage für die Folgen ihrer, in „Lagerhaft erlittenen Personenschaden“ wurde abgelehnt. Immerhin durfte sie in ihr Haus in der Bahnhofstraße zurück.

Seit ca. 1740 existiert in der Eckermannstraße ein jüdischer Friedhof, der nicht antastbar ist. Im Glauben an die Auferstehung ist jeder jüdische Friedhof heilig und darf nicht aufgelöst, sollte aber nach meiner Meinung auch nicht dem Verfall preisgegeben werden.

Archiv Heinecke

Ein Gedenkstein auf dem Friedhof lautet: „Den Mitgliedern der Jüdischen Gemeine in Winsen, die in einer Zeit ihr Leben lassen mussten, in der die Liebe zu den Menschen gestorben war, zur Erinnerung und Ehre, den Lebenden zur Mahnung. – Die Bürger der Stadt Winsen im Jahre 1965.“

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