Alte Elbbrücke in Harburg

Wer in den Sommermonaten an den Fähranlegern beiderseits des Stromes in der Freizeit die frische Luft genießt, ist sich oft nicht bewusst, an welchem wichtigen historischen Ort sein Entschleunigungs-Bemühen seine Erfüllung findet. Dort, wo heutzutage die norddeutschen Motorradfahrer ihren Hotspot der Geselligkeit gefunden haben, befand sich einer der ganzen wichtigen Verkehrswege der Vergangenheit, nämlich der Weg von Skandinavien südwärts, bis hin ins Ausland, zum Beispiel nach Bayern. Ich möchte das erläutern, indem ich in meine Mottenkiste greife. Die Straße von Hoopte über Winsen südwärts hatte damals den Status einer Heerstraße. Da, wo viele Menschen unterwegs sind, boomt stets das Gaststätten-Gewerbe. Um 1700 gab es davon in Winsen ca. 23 Lokale, und sogar noch einen vornehmen Ratskeller, allerdings im alten Rathaus, das nicht mehr existiert.

Immer waren es Handels- und Heerwege, die Flußfurten und Fähren in ihre Wegenetze einbezogen. Der jütländische Ochsenweg bis Altona fand noch eine kleine Ergänzung über Ochsenzoll und Zollenspieker ins Lüneburgische. Später war auch der aufkeimende Tourismus abhängig von diesen alten Routen, das noch später in diesem Bericht behandelt werden wird. Große Ströme waren große Hindernisse für Menschen, die große Strecken zurücklegen mussten. Um von Harburg nach Hamburg zu kommen, benötigte man in der vorindustriellen Zeit durchweg einen halben Tag, je nach den Windverhältnissen, bezogen auf die gewerbsmässigen Segelboote. Die kenterfreudigen Ewer mit ihren großen Takelagen ohne stabilisierende Kiels am Unterboden waren halt keine flotten Beförderungsmittel. Bonaparte hat 1813 die sogenannte Napoleon-Brücke in die feuchten Niederungen der größten europäischen Flussinsel zwischen Süd- und Norderelbe bauen lassen, was die Eroberung von Hamburg erleichterte, aber keine anhaltende Verbesserung der Transportwege einleitete. Die Hamburger Elbbrücken sind erst gut 100 Jahre alt. Ist es da ein Wunder, dass die Süd-Nord-Verkehrswege vorbei an Hamburgs Zentrum führten? Zollenspieker, lange Zeit nicht in der Herrschaft der Hanseaten, hatte da gleich mehrere Vorteile zu bieten. Bis 1873 wurde dort von den Schiffern Zoll erhoben (in Hoopte ebenfalls).

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Die Fährverbindung von Hoopte nach Zollenspieker hat viele bedeutende Personen in unsere Region geführt: zum Beispiel Tilly, Wallenstein, Heinrich Heine, Matthias Claudius, Arthur Schoppenhauer, Karl-Friedrich Schinkel und Hans Christian Andersen, der als Reiselustiger sehr oft durch Winsen gereist ist. Ich habe mehrere Reiseberichte in dänischer Sprache von ihm gelesen, wo Winsen immer wieder Erwähnung gefunden hat, weil er sich dort am Ortseingang über das Ortsschild belustigte, weil „Luhe“ nicht in Klammern hinter dem Stadtnamen, sondern nebensächlich hinter einem Komma erschienen ist. Die freundlichen Winsener Mädels, die ihm zugewunken haben, haben ihn nicht animiert, seinen Reisetrieb zu bremsen. Andersen hat sich später übrigens mit unserem Eckermann in Weimar getroffen! Der Eckermann dichtete später, nachdem er von Hoopte aus nach Zollenspieker blickte:

Und wackre Mädchen ihr vom fernen Spieker,

wie kleiden euch die knappverschnürten Mieder!

Geboten uns mit eurem Frohgesichte,

wie duften eure Blumen, eure Früchte!

Da hat sich der Eckermann wohl mal vergaloppiert !

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