Manchmal etwas zwiespältig betrachten manche Winsener diese Fabrik, die keine mehr ist. Oder doch? Eventuell eine Fabrik, um die Nöte und Sorgen benachteiligter Menschen zu lindern? Eventuell, um Hungerleidenden in unserer übersättigten Gesellschaft im Rahmen des Projektes Harburger Tafel/Zweigstelle Winsen das Lebensnotwendigste zu bieten ? Und ganz sicher, um straffällig gewordene zurück in ein normales, zivilisiertes Leben zu holen! Das hilft den Menschen, das hilft unserer Gesellschaft ganz allgemein. Die Idee wurde im Jahre 1982 geboren und als Verein gegründet durch Richter, Schöffen und Sozialarbeiter. Es begann mit dem Versuch, Menschen, die auf Bewährung verurteilt waren, zurück in das bürgerliche Leben zu führen, später befasste man sich dann auch mit der Betreuung straffällig gewordener Jugendlicher.

Die Aufgaben des Vereins haben sich im Laufe der Jahrzehnte aufgefächert. Und hinzugekommen sind auch Bemühungen, Geselligheit und Zusammengehörigkeitsgefühl der Betreuten zu entwickeln. Ich erinnere an Grünkohl-Speisungen mit Musikprogramm auf der Bühne. Dabei hat bestimmt manche belastete Seele eine kleine Auszeit bekommen.

Eine Frage ist noch offen: Wie war es gelungen, dieses Gebäude am Neulanderweg als Heimstätte des Vereins zu bekommen? 1987 konnte eine alte, aufgegebene Maschinenfabrik an dem Standort erworben werden. Es handelte sich um die Firma R. Bönig. Die Firma wurde im Jahre 1896 gegründet und siedelte sich 1927 in Winsen an. Inhaber war ein Karl Rubow. Später übernahm die Leitung ein Heinz Schmidt. Schwerpunkt der Produktion waren Metallverarbeitung und Molkereibedarf, der damals im ländlichen Raum noch eine große Rolle spielte, bis sich alles auf dem Sektor in große Betriebe verlagerte. Der Betrieb wurde im Jahre 1986 geschlossen. Und dann kam nicht wie üblich die Winsener Abrissbirne, sondern eine segensreiche Institution !

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