Von Schleppern und Drückern (vom Geruch des Rauches und des Diesels)

Noch in den 50er Jahres des letzten Jahrhunderts verlief die Straße von Harburg ostwärts aussichtsreich auf der Deichkrone. Nur noch zwischen Hoopte und Laßrönne kann man nachempfinden, wie interessant diese Strecke war, auch touristisch gesehen. Es war damals bei der Elbe-Schifffahrt eine Zeit des Übergangs. In den 50er Jahren gab es noch viele Dampfschlepper, die mit Kohle befeuert wurden und entsprechende dunkle Rauchschwaden hinter sich herzogen.

Raddampfer, Tschechoslowakei
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Zum täglichen Bild gehörten lange Schleppzüge mit jeweils zwei hohen Schornsteinen, die merkwürdige Namen trugen, z.B. Labe oder Praha (Elbe, Prag). An den Schornsteinen waren die Farben des Ostblock-Staates Tschechoslowakei zu erkennen. Des Rätsels Lösung: das hatte mit dem verlorenen 1. Weltkrieg zu tun. Der Versailler Vertrag aus dem Jahre 1919 beinhaltete, dass der Tschechoslowakei auf der Elbe der freie, zollfreie Zugang zur Nordsee zu ermöglichen sei. Erst zehn Jahre später, im November 1929 war der Vertrag mit einer Gültigkeit von 99 Jahren unterschriftsreif. Die Tschechoslowokei bekam den Moldauhafen und daran räumlich anschließend auch den Saalehafen auf der Veddel. Der Pachtvertrag läuft aus im Jahre 2028.

Bei den Schleppverbänden der Tschechen kamen sogenannte Seitenrad-Schlepper zum Einsatz, die nach und nach in den 60er Jahren verschwanden und durch Diesel-Schleppboote – die bereits ab 1910 vereinzelt vom Stapel liefen – ersetzt wurden. 1961 endete auch das Zeitalter der Lauenburgischen Passagier-Raddampfer, die zwischen Hamburg und Lauenburg verkehrten. Es folgten neue Schiffskonstruktionen wie Schubverbände und in letzter Zeit auch Fluss-Container-Schiffe neben anderen Schiffstypen für die unterschiedlichsten Zwecke.

Die Elbe als Wasserstraße hat niemals die Bedeutung vom Rhein oder auch der Donau erlangt. Das hat vorrangig damit zu tun, dass unser Strom vor der Haustür noch weitgehend in seinem natürlichen Bett fließen darf und im Oberlauf relativ flach ist, was der gewerblichen Schifffahrt Probleme bereitet. Stauwehre wie in Geesthacht gehören zu den Ausnahmen und es ist zu beobachten, dass es Bestrebungen gibt, ursprüngliche Flusseinengungungen und Begradigungen zurückzunehmen. Das könnte ein guter Ansatz sein, um die Gefahr von Überflutungen bei extremen Hochwasser zu reduzieren.

Wer sich vom Thema Elbe-Schifffahrt angesprochen fühlt, dem sei ein Besuch des Lauenburger Elbschifffahrts-Museum empfohlen. Dort kann man dann auch erfahren, was es mit dem „Treckbüddel“, sowie der „Arschbackenbrühe“ auf sich hat.

Auch heute ist dieser Straßenabschnitt noch sehr sehenswert, wie die nachfolgenden Fotos zeigen.

Kunst am Strom
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