Hier rauchten einst die Schornsteine, hier stand einst eine große Papierfabrik namens Eppen

In Winsen befand sich auch schon seit 1812 sehr früh eine Papierfabrik, gegründet von Franz Heinrich Giesemann und weitergeführt vom Sohn Adolf, der den Betrieb nicht über die Zeit retten konnte. Er ging in Konkurs. Bei Giesemann verlebte der junge Johannes Brahms wiederholt seine Sommerferien. Die Fabrik muss sich in Nähe der Luhe im Bezirk von Eppens Allee befunden haben. Die offizielle Adresse lautete Deichstraße. Die Konkursmasse ging im Jahre 1852 an Johann Heinrich Eppen, der aus Stade stammte und dann 1858 den neuen Betrieb aus Expansionsgründen und wohl auch wegen der sich anbahnenden guten Gleisanbindung an der Luhdorfer Straße errichtete. Vorwiegend wurden russische und finnische Hölzer verarbeitet. Eppen beschäftigte zeitweilig mehr als 200 Arbeitnehmer, was für das damals sehr kleine Winsen von großer Bedeutung war.

Das Prinzip der Papierherstellung in Mitteleuropa beruhte seit dem Hochmittelalter darauf, dass der Papiermacher mit Sieben dünne Schichten aus dünnflüssigem Papierbrei herauszog und diese anschließend gepresst, geleimt und getrocknet wurden. Im Herstellungsprozess fiel sehr viel Schmutzwasser an, das in diesem Falle in die Luhe geleitet wurde. Für den Fluss war das ökologisch nicht gut, und für die Arbeiter in der Papierherstellung schon gar nicht! Begleitet wurde die Abwasserentsorgung von einem üblen Geruch, der so typisch war für damalige Papierfabriken. Später gab es Untersuchungen, ob und wieweit der Boden, auf den die neuen Häuser gebaut wurden, kontaminiert ist.

Der 2. Weltkrieg mit all seinen Schrecken und Verlusten brachte großes Elend über den Firmengründer mit seiner Familie. Vier Söhne aus dem engeren Umfeld blieben im Krieg. Schlimmer geht es kaum! Nach dem Krieg wurde die Konkurrenz für Eppen immer stärker. Das Resultat ist bekannt. Am 30. November 1965 schaltete der Pförtner das Licht aus und in der Folgezeit wurde Platz geschaffen für zahlreiche Neubauten im Bezirk des Europaring.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die ursprünglichen Planungen mit einem weiteren Hochhaus wurden wegen der damaligen Sättigung am Wohnungsmarkt nicht verwirklicht. An die alte Eppen-Zeit erinnert am Europaring noch ein Reetdachgebäude, und zwar dort, wo ein kleiner Trampelpfad zur Luhe führt. In dem Haus wuchs eine Nachfolge-Familie, die aus Mecklenburg (Neu-Kaliß, Heimat der Melitta-Kaffeefilter) stammte, heran und sie ist in Winsen immer noch vertreten: „Bausch Convert GmbH & Co. KG“, eine Firma für hochqualitatives Spezialpapier.

Hat Dir der Artikel gefallen?

2 / 0