Hotel-Eingang

Das Hotel und Restaurant Weißes Ross ist ein Haus mit langer Tradition. Wer dort auf der einladenden Terrasse entspannt, wird unter Umständen ein blaues Schild an der Wand entdecken.

Da ist zu lesen, daß das Haus im Jahre 1684 erbaut wurde und im Besitz der Winsener Fuhrleute war. An der Stelle, wo man auf der rechten Seite ins Restaurant schauen kann, befand sich einst ein großes Tor, damit die Gespanne zum Hinterhof hindurchkommen konnten. (Das Aquarell aus den 90er Jahren zeigt den Hinterhof des Hotels.)

Straßen und Wege, auch Schiffahrtswege, die Städte und Regionen miteinander verbinden, waren von je her bis in unsere Tage von außerordentlicher Bedeutung für Handel und Wandel, für Touristik und natürlich auch für das Militär. Die Luftfahrt gewann erst viel später seine große Bedeutung, da die Technik erst zur Produktionsreife gebracht werden musste. Wenn man sich mal einen alten Volksschul-Atlas von Lange & Dierke anschaut (und falls nicht mehr vorhanden: Google-maps) erkennt man, dass die meisten großen und auch kleineren Städte an Wasserwegen liegen, an Flüssen und auch am Meeresufer. Dazu gehören Hamburg genauso wie auch Bremen, Dresden, Frankfurt, Köln, Paris, Rom, Prag, Moskau und Leningrad, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch Winsen liegt bekanntlich an einem Fluss und war einst ein wichtiger Umschlagplatz für Holz und Getreide. Auch ein Salzlager existierte an der Luhe gegenüber dem heutigen Balkan-Restaurant. Diese Transportwege hatten den großen Vorteil, dass große Warenvolumen relativ sicher und kostengünstig an den Empfangsort gebracht werden konnten. Es gab aber auch einen Nachteil, nämlich die geringe Transportgeschwindigkeit.

Die bedeutendste Alternative zur Schiffahrt waren Fuhrwerks-Routen, die besonders zur Hansezeit eine große Bedeutung erlangte. Jedoch hatten diese Routen, die gleichermaßen für Waren- und auch Personentransporte wichtig waren, auch so ihre Tücken. Man darf sich solche Verbindungswege – Straßen nach unserem Verständnis gab es ja kaum – nicht als befestigte Pisten mit einer festgelegten Breite vorstellen. Die alten Fuhrwerks- und Poststraßen waren manchmal 100 m breit, und immer wieder wurden auch neue, leichter befahrbare Ausweichstrecken ausprobiert. Im Klosterforst Lüne östlich von Einemhof gibt es an dem Weg nach Mechtersen im Wald zahlreiche Bodenwellen, gut 50 m breit. Das sind die zugewachsenen Spuren der alten Poststraße nach Bahlburg (alte Zollstelle). Und sicher waren diese Wege auch nicht. Man kennt ja noch heute den Begriff der Strauchdiebe, der an frühere Umverteilungsmethoden erinnert. (Gemeint ist hier nicht der „Gemeine Strauchdieb“, siehe Anlage!). Natürlich gab es damals auch schon befestigte Straßen, aber sie waren eher die Ausnahme und nicht mit dem zu vergleichen, was wir heutzutage als Straße bezeichnen.

Wer damals mit der Kutsche durch die Lüneburger Heide reiste, war nach Ankunft am Ziel nicht motiviert, Positives über diese norddeutsche Mini-Sahara zu berichten. Erst die Genre-Malerei über unsere nähere Heimat brachte die Heide wieder ins Interesse der Urlauber, die dann auch oft mit den Postkutschen reisten. (Das Wort „Reise“ ist abgeleitet von „reisa“ für Aufbruch/Fahrt, und risan war die Bezeichnung für den Aufbruch in einen militärischen Feldzug. Auf alten Segelschiffen wurden die Matrosen mit dem Ruf „Reise-Reise“ geweckt.) Sowohl Postkutschen-Fahrten als auch der Postillon (oft als Schwager bezeichnet) wurden bis in unsere Zeit romantisch verklärt und hatte mit der Realität nicht viel zu tun.

Mit der schrittweisen Fertigstellung und Eröffnung der Eisenbahnlinie Hannover-Lehrte-Celle-Lüneburg-Winsen-Harburg in der Zeit von 1845 bis 1847 änderte sich alles bezüglich der Waren- und Menschen-Transporte. Fuhrleute, Rademacher, Schiffer, Schmiede und Gastwirte sahen sich in ihrer Existenz bedroht. Aber der technische Fortschritt ließ sich nicht aufhalten. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Winsen wurde im Jahre 1848 fertig gestellt. Nach und nach gewann auch der LKW-Transport an Bedeutung. Wenn wir heute auf der Autobahn unterwegs sind, spüren wir auch dort hautnah den Wandel der Zeit.

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