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An der Luhestraße in umittelbarer Nähe der Mühlen-Luhe steht das älteste Bürgerhaus der Stadt, erbaut um 1585 und zuletzt restauriert im Jahre 1988. Häuser im Renaissance-Fachwerkstil mit den halbrunden Rosetten sind im nördlichen Niedersachsen selten zu finden, eher schon weiter südlich. Das bei dem Arbeitsprozess des Blaufärbens anfallende Schmutzwasser wurde damals in die Luhe geleitet. Das Wort „Umweltschutz“ existierte in der Zeit noch nicht.

Im Winsener Marstall-Museum sind einige Beispiele der Blaufärberei aufgeführt. Das Blau in den Textilien ist einer Färberpflanze namens Waid zu verdanken. Bevor das Bedrucken begann, musste der Leinenstoff gekocht und gemangelt werden, damit durch Spannung eine knitterfreie Oberfläche erzeugt werden konnte. Als Mangel dienten früher oft große Göpel, die von Pferden, welche sich im Kreis bewegten, angetrieben wuden. Für den Druck auf Leinen waren drei Dinge unentbehrlich: Waid, Stempel mit den verschiedenen Motiven, sowie ein auf die Stempel aufgetragenes Gemisch, das verhinderte, dass die Farbe das Leinen erreichte. Diese farbabweisende Masse nannt man „Papp“, und die Zusammensetzung war in der Regel Betriebsgeheimnis.

Der Waid-Farbstoff wird in einem aufwändigen und komplizierten Verfahren gewonnen: Aussaat, Ernte, Zerkleinerung, Oxidation (Fermentierungsprozess mit Hilfe von Sauerstoff), Trocknung, Pulverherstellung, Färbebad, erneute Trocknung, sowie Entfernen der überschüssigen blauen Farbe. Und danach wurde alles noch einmal gewaschen und gemangelt. Die letzte Trocknung fand immer an einem Montag statt, und dann hatten die Arbeiter frei (deshalb „Blauer Montag“). Eine andere Theorie besagt, dass sich die Arbeiter diesen freien Tag erkämpft hatten, damit sie auch einmal Zeit für ihre persönlichen Dinge hatten.

Waid (Isatis tinctoria) wurde später durch die Färberpflanze Indigo (Indigo tinctoria – aus Indien, China und Afrika) ersetzt, welche zwar preiswerter, aber nicht so farbtreu war.

Den Blaufärbern begegnete man früher mit Mißtrauen. „He kann woll hexen un blaufarven!“, war eine damals üblich Redewendung. Die einfachen Leute in den Städten konnten sich nicht erklären, warum die Stoffe nach der zunächst gelbgrünlichen Färbung langsam an der Luft blau wurden.

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